Ein eingespieltes Team geht neue Wege

FOLKER HELLMEYER BAUT MIT SEINEN EX-BLB-KOLLEGEN EIN UNTERNEHMEN AUF UND WILL KOMPETENZ IN BREMEN HALTEN

Bremen. Was Bulle und Bär hier zu suchen haben, ist klar. Stehen die beiden Tiere doch für den Aufstieg und den Fall der Börsenkurse. Folker Hellmeyer ist die dritte Figur auf dem Tisch im Konferenzraum aber genauso wichtig für seinen Job: ein Schwein. Schließlich brauche es bei Geschäften immer auch Glück. „Da bin ich demütig“.

Die richtigen Kollegen zu finden, dieses Glück hat Hellmeyer vor ein paar Jahren als Chefanalyst der Bremer Landesbank gehabt. Dort beriet er mit großer Freude Portfoliomanager, erstellte gemeinsam mit ihnen Fonds. Zum Ende des Jahres dann sein Abschied von der Bank. Wie sollte es für das Gesicht der BLB weitergehen?

Doch eine Chance tat sich auf. Am Tag der Übernahme der BLB durch die NordLB am 1. September 2017 gründeten Hellmeyers ehemalige Kollegen ein eigenes Unternehmen: SOLVECON INVEST. Eine Unternehmerfamilie aus Bocholt, heute Mehrheitseigner mit 51 Prozent, unterstützte sie dabei. Christian Buntrock, damals Portfoliomanager der BLB, ist schnell überzeugt: „Das war eine Chance, da konnte man gar nicht Nein sagen.“

Das Unternehmen fußt auf zwei Säulen: dem Fondsgeschäft und der Vermögensverwaltung. Die größte Unabhängigkeit reizt Buntrock und seine Kollegen an der Gründung. Denn losgelöst von der Bank ließen sich nun Ideen freier umsetzen: „Wir sind zutiefst überzeugt, dass wir mehr PS außerhalb der Bank auf die Straße bringen und den besseren Job für den Kunden machen.“ Zusammen mit der Expertise von Folker Hellmeyer sei das eine Traumkonstellation für das Team: „Wir wissen genau, was wir aneinander haben und schätzen uns sehr.“ Geschäftsführer von SOLVECON ist Thorsten Müller, der ehemalige Leiter des Asset- und Portfoliomanagements der BLB.

„WIR SIND JA NICHT PERFEKT, WIR HABEN KEINE GLASKUGEL.“
Folker Hellmeyer über SOLVECON

Hellmeyer ist für die Idee schnell offen, mit seinen ehemaligen Kollegen weiterzuarbeiten, Chefanalyst zu bleiben. Wenngleich der Neuanfang Mut gekostet habe. Die sechs Mitarbeiter halten die Beteiligung der restlichen 49 Prozent am Unternehmen. SOLVECON sei wegen der langjährigen Zusammenarbeit aber ein „etabliertes Start-up“. Das Team sei eingespielt, habe seinen eigenen Stil: Marathon statt Sprint. Der Mehrheitseigner sei ein „extrem hanseatischer Kapitalgeber“ und setze ebenfalls auf Langfristigkeit. Da stimme die Philosophie einfach überein. „Wir verstehen SOLVECON nicht als eine Sternschnuppe am kurzfristigen Firmament des Finanzmarktes“, entwirft Hellmeyer ein Bild für seine Überzeugung, „wir sind da, um zu bleiben“.

Ganz bewusst hätten sie sich dabei für Bremen entschieden. „Man schaut sich hier in die Augen. Das Geschäft in Frankfurt oder London läuft nicht so“, sagt Hellmeyer. Der direkte Kontakt sei ihnen wichtig. „Wir wollen ein Lächeln in den Augen unserer Kunden sehen.“ Und vielleicht sei darin auch mal eine Träne zu finden. „Wir sind ja nicht perfekt, wir haben keine Glaskugel.“

Ganz komplett ist die Ausstattung in den neuen Räumen im Bürogebäude in der Nähe des Flughafens noch nicht. Das Unternehmen ist erst Anfang Januar eingezogen. Bald aber soll es hier auch ein kleines Studio geben für eigene Videos und Beiträge für Fernsehsender. Stärker als bisher bei der BLB will das Team bundesweit präsent sein mit seiner Meinung. Dort, wo nun ein Drucker steht, soll eine Kamera postiert werden. Schnell soll auf Nachrichten reagiert werden können – gemeinsam. Das betont der Chefanalyst: „Das ist hier keine Hellmeyer-Gedächtnis-Veranstaltung. Wir gehen zusammen mit der Analyse raus.“ Außerdem soll es bald wieder den Forex-Report geben. Ende des Monats soll der erste Fond stehen, der aktiv gemanaget werde.

An diesem Freitag muss Hellmeyer doch noch mal nach Frankfurt zur Börse fahren. Doch bald soll das Studio fertig sein und das Schild „On air“ leuchten: „Wir sind gefragt. Es ist uns wichtig, dass wir deutlich machen, dass Kompetenz nicht nur in Frankfurt, London oder New York angesiedelt ist.“ SOLVECON – das sei zudem ein Stück des Geistes der Bremer Landesbank. „Das ist entscheidend für mich.“

Artikel von Lisa Boekhoff, Weser Kurier